Beckenbodentherapie

Beckenbodenrehabilitation für Menschen in jedem Alter

Viele Menschen leiden im Stillen unter Beckenbodenproblemen – sei es ungewollter Urinverlust beim Niesen, ein Druckgefühl nach einer Geburt oder Schmerzen im Intimbereich. In der Schweiz sind beispielsweise Frauen nach einer Geburt oder in den Wechseljahren häufig mit Inkontinenz oder Senkungsbeschwerden konfrontiert . Zum Glück muss heute niemand diese Beschwerden einfach hinnehmen. Die Beckenbodentherapie in der Physiotherapie bietet gezielte Hilfe, um die Muskulatur im Becken zu stärken oder zu entspannen und dadurch die Lebensqualität deutlich zu verbessern. Hier erklären wir einfühlsam und verständlich, was es mit der Beckenbodentherapie auf sich hat, für welche Beschwerden sie eingesetzt wird, wie die Behandlung abläuft und was Patient:innen dabei erwarten können. Wir gehen auch darauf ein, wie die Kostenübernahme durch die Krankenkasse in der Schweiz funktioniert und warum diese Therapie, gerade für Frauen nach der Geburt oder in den Wechseljahren, so wichtig und sinnvoll ist.

Gut zu wissen: Sie sind nicht allein! Viele Menschen haben im Laufe ihres Lebens Probleme mit dem Beckenboden. Dank moderner Physiotherapie und gezieltem Beckenbodentraining kann in den meisten Fällen wirksam geholfen werden. Nicht selten lässt sich durch eine erfolgreiche Beckenbodentherapie sogar eine Operation vermeiden.

Was ist Beckenbodentherapie und warum ist sie wichtig?

Unter Beckenbodentherapie versteht man eine spezialisierte physiotherapeutische Behandlung, die sich dem Beckenboden, also der Muskulatur am Boden des Beckens, widmet. Diese Muskelschicht trägt massgeblich die inneren Organe (Blase, Gebärmutter, Darm) und kontrolliert das Verschliessen von Harnröhre und After . Ist der Beckenboden intakt, funktioniert die Kontrolle von Blase und Darm meist unbewusst und zuverlässig. Schwächen oder Verspannungen dieser Muskulatur können jedoch zu diversen Beschwerden führen – von Urinverlust bis zu Schmerzen. Ein gezieltes Training oder eine Entspannung des Beckenbodens durch Physiotherapie kann die Funktion wieder verbessern. Studien zeigen, dass ein von spezialisierten Physiotherapeutinnen angeleitetes Training deutlich effektiver ist als alleinige Eigenübungen ohne Anleitung . Eine gute Beckenbodentherapie trägt so entscheidend zur körperlichen Stabilität, Kontinenz und zum Wohlbefinden bei .

Warum ist der Beckenboden so wichtig? Er bildet zusammen mit Bauch- und Rückenmuskulatur sowie dem Zwerchfell unser muskuläres Zentrum. Beim Husten, Niesen oder Heben schwerer Lasten spannt er sich reflexartig an, um Organe zu stützen und den Verschluss von Blase und Darm zu sichern . Auch für eine erfüllte Sexualität spielt der Beckenboden eine Rolle, da er zur Empfindungsfähigkeit beiträgt . Gerät dieses Zusammenspiel aus dem Gleichgewicht – etwa durch Schwangerschaft und Geburt, Bindegewebsschwäche, Operationen, hormonelle Veränderungen in den Wechseljahren oder schlicht durch das Älterwerden – kann der Beckenboden geschwächt werden . Die Folgen reichen von leichter Inkontinenz bis hin zu Organsenkungen. Hier setzt die Beckenbodentherapie an: Sie hilft, die Muskulatur gezielt zu kräftigen, zu koordinieren oder zu entspannen, um Beschwerden zu lindern und Folgeschäden vorzubeugen. Oft berichten Patientinnen, dass sie durch die Therapie wieder Vertrauen in den eigenen Körper fassen – sei es, weil plötzlich ein Spaziergang ohne ständige Toilettensuche möglich ist, oder weil Alltagsaktivitäten wie Lachen und Hüpfen endlich wieder angstfrei erfolgen können.


Wann ist Beckenbodentherapie sinnvoll?

Harninkontinenz

  • Urinverlust beim Husten, Niesen, Sport

  • plötzlicher starker Harndrang

  • häufig nach Geburten oder in den Wechseljahren

Senkungsbeschwerden

  • Senkung von Blase, Gebärmutter oder Darm

  • oft abends oder nach langem Stehen stärker

Darmprobleme

  • Stuhl- oder Windinkontinenz

  • chronische Verstopfung

  • unvollständige Darmentleerung

Schmerzen

  • Beckenschmerzen ohne klare organische Ursache

  • Schmerzen beim Geschlechtsverkehr

  • Vaginismus oder muskuläre Verspannungen

Nach Schwangerschaft & Geburt

  • Rückbildung nach vaginaler Geburt oder Kaiserschnitt

  • Urinverlust, Druckgefühl, Narbenschmerzen

  • Rektusdiastase & Rückenbeschwerden

👉 Auch ohne Schwangerschaft können Beckenbodenprobleme auftreten, z.B. hormonell bedingt oder durch Bindegewebsschwäche.

Wie läuft die Beckenbodentherapie ab?

Viele Patientinnen wissen anfangs nicht genau, was sie in der Beckenbodentherapie erwartet. Wichtig zu wissen: Es geht um weit mehr als klassische „Kegel-Übungen“. Die Therapie ist ein individuell angepasstes Behandlungsprogramm, das gezielt auf Ihre Beschwerden und Ziele abgestimmt wird.

1. Anamnese und Untersuchung

Zu Beginn nimmt sich die Physiotherapeutin Zeit für ein ausführliches Gespräch. Dabei werden Beschwerden, Vorerkrankungen, Geburten, Operationen sowie Alltag und Gewohnheiten (z. B. Toilettenverhalten oder Trinkmenge) besprochen.
Anschliessend erfolgt eine körperliche Untersuchung: Haltung, Atmung, Bauch- und Beckenmuskulatur sowie Narben werden beurteilt. Häufig gehört auch eine vaginale oder intranale Messung dazu, um Kraft, Koordination oder Verspannungen des Beckenbodens zu prüfen. Diese erfolgt nur mit Ihrem Einverständnis und wird einfühlsam erklärt.

2. Individueller Therapieplan

Auf Basis der Befunde erstellt die Therapeutin einen persönlichen Behandlungsplan. Gemeinsam werden realistische Ziele festgelegt – etwa wieder joggen ohne Urinverlust, weniger Schmerzen oder mehr Sicherheit im Alltag. Sie erfahren, warum bestimmte Beschwerden auftreten und wie die Therapie gezielt ansetzt.

3. Behandlung und Übungen

Die Therapie kombiniert verschiedene Methoden, angepasst an Ihre Situation:

  • Wahrnehmung & Entspannung: Sie lernen, den Beckenboden bewusst zu spüren, anzuspannen und zu entspannen. Atemübungen und manuelle Techniken helfen bei Verspannungen.

  • Kräftigung & Koordination: Schrittweises Training von Kraft, Ausdauer und Timing – zunächst in einfachen Positionen, später integriert in Alltagsbewegungen.

  • Haltungs- & Verhaltenstraining: Optimierung von Haltung, Toilettengewohnheiten und Alltagsverhalten zur Entlastung des Beckenbodens.

  • Biofeedback & Geräte: Moderne Hilfsmittel machen Muskelaktivität sichtbar oder spürbar und erleichtern das gezielte Training.

  • Heimübungen & Hilfsmittel: Sie erhalten ein individuelles Übungsprogramm für zu Hause; bei Bedarf Beratung zu Hilfsmitteln wie Pessaren oder Dehnungsinstrumenten.

4. Verlauf und Abschluss

Eine Sitzung dauert 30 Minuten. In der Schweiz werden mit ärztlicher Verordnung 9 Sitzungen durchgeführt. Der Fortschritt wird regelmässig überprüft. Zum Abschluss erhalten Sie Empfehlungen, um die erzielten Erfolge langfristig zu sichern.

Was erwartet die Patientin in der Therapie?

Der Beginn einer Beckenbodenphysiotherapie ist für viele Menschen mit Unsicherheit verbunden, doch spezialisierte Therapeutinnen gehen stets einfühlsam, diskret und respektvoll vor. Die Behandlung findet in ruhiger Einzelbetreuung statt, Ihre Grenzen werden jederzeit geachtet, und nichts geschieht ohne Erklärung oder Einverständnis. Gemeinsam werden alltagsnahe Ziele festgelegt – etwa wieder sicher husten, schlafen, spazieren oder Sport treiben zu können – und regelmässig überprüft. Sie werden aktiv angeleitet, erhalten ehrliches Feedback und lernen, selbst etwas für Ihren Körper zu tun. Auch sensible Themen dürfen offen angesprochen werden, denn nichts ist „zu peinlich“. Geduld ist wichtig, doch Fortschritte werden sichtbar gemacht und motivierend begleitet. Viele Menschen erleben die Therapie nicht nur als körperliche Unterstützung, sondern auch als Gewinn an Vertrauen, Körpergefühl und Selbstsicherheit.

Kostenübernahme: Wie wird die Therapie bezahlt?

In der Schweiz wird die Beckenbodenphysiotherapie von der Grundversicherung übernommen, sofern eine ärztliche Verordnung vorliegt. Mit einem Rezept Ihrer Hausärztin, Gynäkologin oder eines anderen Facharztes gelten die Sitzungen als reguläre Physiotherapie und werden, abzüglich Franchise und Selbstbehalt, von der Krankenkasse bezahlt. In der Regel werden bis zu 9 Sitzungen pro Verordnung bewilligt, bei Bedarf sind Folgeverordnungen möglich. Wichtig ist, dass die Therapie innerhalb von 5 Wochen nach Ausstellung der Verordnung begonnen wird. Behandlungen ohne ärztliches Rezept sind ebenfalls möglich, müssen jedoch selbst bezahlt werden; teilweise übernehmen Zusatzversicherungen präventive Leistungen. Nach der Geburt sind Rückbildungsübungen durch Hebammen separat abgedeckt, bei anhaltenden Beschwerden kann zusätzlich Physiotherapie verordnet werden. Mit ärztlicher Verordnung ist die Beckenbodentherapie somit gut zugänglich und finanziell abgesichert.

Vorteile und Sinn der Beckenbodentherapie

Die Beckenbodentherapie ist ein schonender, effektiver Weg, um Beschwerden wie Inkontinenz, Senkungen, Schmerzen oder Probleme nach Schwangerschaft und Geburt zu behandeln und die Lebensqualität deutlich zu verbessern. Sie stärkt die Muskulatur, erhöht Sicherheit im Alltag, unterstützt die sexuelle Gesundheit und wirkt präventiv gegen zukünftige Probleme – auch in den Wechseljahren oder im Alter. Die Therapie ist individuell, ganzheitlich und fördert das eigene Körperbewusstsein, sodass Patientinnen aktiv lernen, ihren Beckenboden langfristig zu trainieren. Sie ist sinnvoll bei Urin- oder Stuhlinkontinenz, Druckgefühlen, Schmerzen im Beckenbereich oder allgemeinen Schwächen nach einer Geburt. Je früher man beginnt, desto besser sind die Chancen auf nachhaltige Verbesserung – doch auch bei langjährigen Beschwerden lohnt es sich, den Beckenboden gezielt zu stärken.

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